Frozen oder wie er in Deutschland heißt Die Eiskönigin ist mit einem weltweiten Einspielergebnis von 1,276 Milliarden US-Dollar der bisher erfolgreichste Animationsfilm aller Zeiten. Er gilt zudem als typischer Disney-Film. Das dürfte mit seiner typischen Dramaturgie zusammenhängen. Diese weicht jedoch in vielen Kleinigkeiten von der klassischen Heldenreise ab und um diese Besonderheiten in Die Eiskönigin soll es im Folgenden gehen.

Elsa und Anna als gleichberechtigte Heldinnen

Die Eiskönigin handelt vom Erwachsenwerden. Dabei fokussiert sich der Film jedoch auf zwei sehr unterschiedliche Schwestern. Dies ist insofern besonders, als das Konstrukt der Heldenreise oft dafür kritisiert wird, hauptsächlich für männliche Figuren zu gelten, da Vogler und Campbell, die hinter der Idee der Heldenreise stehen, sich an der oft sexistisch geprägten Mythologie orientierten. Die Eiskönigin, welche das Muster der Heldenreise von Vogler nutzt, um eine Geschichte von zwei Heldinnen zu erzählen, ist also eine Antithese zu dieser Kritik. Es gelingt dem Film, beide Heldenreisen der Protagonistinnen gleichwertig wirken zu lassen und so verschiedene Aspekte des Erwachsenwerdens dazustellen. So reifen beide Figuren in dem Film und müssen sich ihren Ängsten stellen, doch sind diese sehr unterschiedlich. Anna fühlt sich von ihrer Umwelt abgelehnt und muss erst die Erfahrung machen, dass es Menschen gibt, die sie lieben und annehmen. Elsa fürchtet sich vor sich selbst und muss lernen, dass ihre Stärke kein Fluch sein muss, sondern ein Segen sein kann. Somit gelingt es dem Film Die Eiskönigin, verschiedene Lebenswirklichkeiten gleichberechtigt darzustellen und damit eine komplexe und lebensnahe Geschichte zu erzählen.

Die Gefahr für Arendalle ist zudem zunächst Elsa selbst, sie muss ihre Ängste überwinden, um das Königreich zu schützen. Es geht in dem Film also oft um keine Gefahr von außen, sondern um den Kampf mit sich selbst. Elsa und Anna stellen schon durch ihre unterschiedlichen Charaktere eine breite Auswahl an Möglichkeiten des Erwachsenwerdens dar. Die Gründe für Elsas Flucht als auch für ihre Wiederkehr sind komplex und deshalb für viele nachvollziehbar.